Erklärung zu Tafel 1: Die Gründer des Karlspreises ?

Die Gründer des Karlspreises? In der Proklamation von 1949 präsentierte man Karl als den “Begründer abendländischer Kultur**”.

Ohne von einer Fortführung des nationalsozialistischen Karslbilds sprechen zu wollen, ist es doch frappierend, wie sich in den Jahren nach 1945 unterschiedliche Perspektiven überlagerten. Gebündelt erscheinen sie in der Ausrichtung des im Jahr 1950 erstmals verliehenen Karlspreises. Die „Proklamation“ des Preises aus dem Jahr 1949 bezog sich zwar nur knapp auf Karl, präsentierte ihn aber als „Begründer abendländischer Kultur“. Klarer markierte den intendierten Zuschnitt eine Rede, mit der Kurt Pfeiffer als Initiator des Preises im Dezember des Jahrs 1949 den „Gedanke(n) der westeuropäischen Schicksalsgemeinschaft“unterstrich.“ Der Karlspreis sollte also Personen auszeichnen, die sich um die supranationale Harmonisierung verdient gemacht hatten; die Konturen des propagierten Europa waren aber klar auf den Westen des Kontinents eingeschränkt. Für Pfeiffer bestand die Stoßrichrichtung in der Verteidigung gegen den Ostern, der Gegner hieß „Sowjetunion“.

** Klaus Oschema, „Ein Karl für alle Fälle – Historische Verortung Karls des Großen zwischen Nation, Europa und der Welt“, in: ‪Europäische Erinnerung als verflochtene Erinnerung – ‪Vielstimmige und vielschichtige Vergangenheitsdeutungen jenseits der Nation, ‪Vandenhoeck & Ruprecht, 2014

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