Erklärung zu Tafel 1 : Die Christen ?

Wer hat Karl zum Großen gemacht?  

Die Christen?

“Karl führte den ersten groß angelegten Missionskrieg, der in der Geschichte von christlicher Seite aus in Gang gesetzt wurde”.

 

Aktualität des Mittelalters: Für seine Religion tat Karl der Große alles, um ein Gotteskrieger zu sein.

Das Buch der Bücher ließ es wirklich nicht unerwähnt. Das Weltende stand bevor, abwenden ließ es sich nicht. Die Prophetie war bekannt, die Stellen, die die Finger Wort für Wort abtasteten, über denen die Finger sich drohend erhoben, waren prominent. Die Apokalypse war verhängt.

Auch Kalender, sie konnten nicht kurios genug sein, berechneten die Frist, die verblieb, und auch wenn sie zu sehr, sehr unterschiedlichen Ergebnissen kamen, den Tag der Tage betreffend, so geschahen viele Handlungen, das ist wahrscheinlich mehr als nur eine Mutmaßung, aus Zeitnot.

Wie groß also muss der Aufruhr (armer Seelen) gewesen sein. Um als Christ zu handeln, blieb nicht mehr viel Zeit, das Jahr 800 war so ein Datum, und das galt in besonderem Maße auch für die Mission, den Kampf gegen die Ungläubigen Ende des 8. Jahrhunderts. Die Gewalt, die sie traf, war auch einer schrecklichen Panik geschuldet? Wahrscheinlich.

Umso entsetzlicher die Heimsuchung für Heiden und Häretiker. Den, so Stefan Weinfurter in seiner soeben veröffentlichten Biografie über Karl, mit „ungeheurer Wucht und Grausamkeit“ geführten Kriegszügen folgte eine „unglaubliche Demütigung und Unterjochung“. Karl, der auch das Blutbad zur „Chefsache“ (Weinfurter) machte und damit unter jedem seiner Krieger als Selbstverständlichkeit adelte, ließ sich nicht reinreden, auch nicht von seinem vorzüglichsten Denker am Hofe, dem Angelsachsen Alkuin, der davor warnte, den Glauben mit Gewalt zu erzwingen, was bereits der Kirchenvater Augustinus verworfen hatte. Karl, nicht nur als Ökonom und Bildungsstratege, gerade auch als Missionar besessen von seiner „Idee der Eindeutigkeit“ (Weinfurter), wollte wohl keine Zweifel aufkommen lassen. Keine Menschenseele, die an dem Glauben irre werden sollte.

Schauerlich die Konsequenzen. Die Annalen, die zu Karls Zeit entstanden, sprachen von einem Vernichtungskrieg, das Territorium der Sachsen galt als „verwüstetes Land“. Das Vokabular verrät, dass damit, so Weinfurter, „der erste groß angelegte Missionskrieg in der Geschichte von christlicher Seite aus in Gang gesetzt“ wurde. Mission, das erklärt den Triumph totaler Erbarmungslosigkeit, mit Geiselnahmen, Zwangsumsiedlungen, Deportationen, Massenhinrichtungen…

aus: Christian Thomas, „Karl der Große – Gewalt als Gottesdienst“, in Frankfurter Rundschau, 27.01.2014

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